Ein Zoch geht 2015 durch Königsdorf

KARNEVAL Drei junge Männer wollen nach 60 Jahren die Tradition wiederbeleben.

VON PAMO ROTH

Frechen. „Manchmal braucht es frisches Blut, um die Dinge wieder aufzugreifen“ – so beginnt die Geschichte von einem aktuellen Anlauf von drei Königsdorfern, nach 60 Jahren der Abstinenz wieder einen eigenen Karnevalszug in dem Frechener Stadtteil auf die Beine zu stellen. Die Idee dazu hatte Sven Nolden, ein zugezogener und eingeheirateter Königsdorfer aus Bergheim-Fliesteden. „Er meinte, es könnte nicht sein, dass sein Heimatort mit 1600 Einwohnern einen Karnevalszug hat und der mit fast 12 000 Einwohnern zweitgrößte Stadtteil Frechens nicht“, erzählt sein Mitstreiter, Torben Michels. Dieser ist ebenso wie der Dritte im Bunde Christian Urbach, in Königsdorf aufgewachsen und gut vernetzt. Nachdem die drei Freunde im Alter von Ende 20 bis Mitte 30 vor einigen Monaten den Plan gefasst hatten setzen sie ihn seit Anfang dieses Jahres in die Tat um.

KSTA_270214_01

Das Trio, das sich Königsdorfer Zugvögel nennt, sprach mit Rolf Rong, dem Vorsitzenden der Kultur- und Sportgemeinschaft Königsdorf des Dachverbandes aller Königsdorfer Vereine. Der hatte bereits zweimal versucht, einen neuen Karnevalszug ins Leben zu rufen zuletzt vor 15 Jahren. „Ich war sofort begeistert, die drei haben mich mit ihrer Euphorie mitgerissen. Jetzt ist die Zeit reif für einen neuen Zug“, so Rong. Auch die ortsansässige Karnevalsgesellschaft, die Königsdorfer Weißpfennige, signalisierte Interesse: „Ihr Vorstand Marcel Filla war angetan und sagte uns wohlwollende Unterstützung zu.“ Die Vereinsgründung mit insgesamt sieben Gründungsmitgliedern, darunter auch Rolf Rong, ist im Gange doch so richtig in Fahrt kam das Ganze am vergangenen Samstag.

1929 gab es bereits einen fotografisch dokumentierten Karnevalszug in Königsdorf.
1950 zog nach dem Zweiten Weltkrieg dann der erste Karnevalszug über die Aachener Straße.
1955 ging der zweite und bisher letzte Zug durch Kleinkönigsdorf.

KSTA_270214_03
KSTA_270214_02

Der zweite und bisher letzte Zug zog 1955 über die Franz-Lenders-Straße duch Kleonkönigsdorf.

Gruß an die Heimat…“ Auch viele Vereine meldeten sich bei den Zugvögeln. So wollen sich die Weißpfennige mit einer Fußgruppe beteiligen, ebenso wie einige Sportvereine des TuS Königsdorf. Auch die Pfadfinder überlegen schon. Die Schützenbruderschaft Sebastianus und die „Brüder Friedrichs vom Christinenhof“ signalisieren Interesse. Stefan Trebels, ‚ Wirt des Alten Brauhauses, unterstützt die Zugbegeisterten und hat bereits die Flagge der Zugvögel gehisst. „Uns ist es wichtig, die ganze Bandbreite von Königsdorf auf dem Zug vertreten zu haben, die alteingesessenen Vereine über nachbarschaftliche Kreise bis hin zu den Zugezogenen“, so Michels. Diese Zugezogenen gelte es ins Dorf zu integrieren über solche Traditionen wie den Karneval „denn Königsdorf ist ja ein schnell gewachsener und weiter wachsender Ort“. Andererseits würde so vielleicht auch neuer Nachwuchs für die alteingesessenen Vereine entstehen – oder wie es die Zugvögel ausdrücken: „Mir lade alle Engeborene, Imis un vür allem de Pänz in, dobei zo sin!“

Zeitungsbericht zum download